Tiergarten Schönbrunn – 11 Gittertoraufsätze – Sanierung – 2024/25
Adresse: Maxingstraße 13b, 1130 Wien
Jean Nicolas Jadot de Ville-Issey (* 1710 Lunéville, + 1761 Ville-Issey) war der Hofarchitekt von Franz Stephan, dem Herzog von Lothringen. In der Gefolgschaft des neuen, designierten, habsburg-lothringischen Kaisers zog Jadot, im Zuge der Krönung 1745, mit nach Wien. Im selben Jahr erhielt er den Auftrag zur Errichtung eines Tiergartens („Menagerie“).
1752 wurde der Tiergarten, der aus 12 radial angelegten Gehegen
auf kreisförmigem Grundriss besteht, eröffnet. Der zentrale Pavillon kam einige Jahre danach hinzu.
Kaum in Wien angekommen erhielt der Archiktekt renommierte Bauaufträge, wie z. B. den Kuppelraum der Kapuzinergruft (1753), die alte Universitätsaula der Akademie der Wissenschaften (1753-55), die Adaptierung der Säulenstiege und den Neubau der Botschafterstiege (beide in der Hofburg).
Ausgangssituation:
Zwei verschiedene Gitterformen:
Mit reinem Volutenaufsatz: 4 Stück mit je 3 Befestigungskeilen. Nummern: 59, 60.1, 61, 63
Mit Blattkronenaufsatz (stilisiertes Ahornblatt): 7 Stück mit je 4 Befestigungskeilen. Nummern: 03, 58, 59.1, 60, 62, 64, 65
Quellen:
– Felix Czeike: Historisches Lexikon der Stadt Wien. Band 5. Wien 1997.
– Jahrbuch des Vereins für Geschichte der Stadt Wien. Wien 1931.
– Wolgang Zimmermann: Von Jean Nicolas Jadot zu Sebastian Heinrich. Dipl. Arbeit. Wien 1996.
– Albertina Sammlungen Online, AZ5498
Luftbild-Aufnahme, 1956
Quelle: WStLA, Fotos PID/FC2/56/170-237, Mai 1956
Grundriss der radial angelegten Tierpark-Gehege
Die Menagerie Schönbrunn, Federzeichnung von Jean Nicolas Jadot
Quelle: Wolgang Zimmermann: Von Jean Nicolas Jadot zu Sebastian Heinrich. Dipl. Arbeit. Wien 1996. S. 131
Axonometrie des Tierparks
Die Menagerie Schönbrunn, Federzeichnung von Unbekannt
Quelle: Albertina Sammlungen Online, AZ5498
Bestand und Demontage
Jeder Gitteraufsatz wurde vermessen und beschriftet.
Die Gitteraufsätze waren jeweils mit 4 bzw. 3 Zierkopfkeilen an der Kämpferstange befestigt. Die Nieten der Zierkopfkeile wurden zur Demontage in glühendem Zustand ausgeschlagen und danach demontiert. Anschließend wurden die Toraufsätze von den Kämpferstangen gehoben, verladen und zum Strahlen geliefert.
Nach dem Strahlen wurden alle Teile zur Sanierung in die Werkstätte in Stockenboi, Kärnten gebracht. Die Kämpferstangen wurden vor Ort saniert. An einigen Aufsätzen war der große Bügel, der den Treibriegel des Tores sichert, gleichzeitig auch die Niete zur Sicherung für den Zierkopfkeil.
Bei einigen Gittern waren die Befestigungskeile kaputt und in einer vorangegangenen Reparaturmaßnahme unsachgemäß repariert worden. Anstatt die Keile zu sanieren und mit einer Niete zu sichern, wurden die Aufsatzgitter direkt an die Kämpferstange aufgeschweißt. Die Maßnahmen wurden alle wieder auf den historischen Zustand zurück geführt.
Starke Korrosionen sowie Quer- und Längsrisse durchzogen viele Elemente der Aufsätze, wodurch die Stabilität gefährdet war. Mehrere Einzelteile waren durchkorrodiert oder fehlten im Bestand.
Technische Sanierung
Längs- und Querrisse im Material wurden geglüht, gereinigt, ausgerichtet, aufgeschweißt, zugeschliffen und spannungsfrei geglüht. Durch Lochfraß fehlende Bestandteile, z. B. von Blättern und Ornamenten, wurden stilgetreu in historischer Schmiedetechnik ergänzt. Fehlende Blattkronen wurden nach historischem Vorbild, von Hand und in historischer Technik neu hergestellt. Alte Schweißnähte wurden verschliffen, Zierkopfkeile und gebrochene Voluten repariert.
Alle Zierköpfe der Zierkopfkeile wurden wiederverwendet. Manche der Schäfte wurden ergänzt und neue Löcher bei der Montage vor Ort zur Vernietung zwischen Gitteraufsatz und Kämpferstange gebohrt.
Vor Ort (in Schönbrunn) wurden die Kämpferstangen, auf welchen die Gitteraufsätze montiert sind, saniert. Die Oberflächen wurden gebürstet, entrostet und gereinigt.
Die Kämpferstangen wurden ausgerichtet und die Löcher für die Zierkopfkeile wieder instand gesetzt.
Beschichtungen
Bestehende Metalloberflächen wurden entfettet und zweimal mit Protector von Herbol, Metallschutzlack in den Farbtönen RAL 6004 händisch in der Wiener Werkstatt der Firma ProColor, Tamariskengasse 102/8/4, in 1220 Wien geflutet. Die Endbeschichtung erfolgte mit RAL 6005 händisch vor Ort in Schönbrunn.
Die Aufsatzgitter wurden wieder auf die Kämpferstangen gehoben. Die Zierkopfkeile wurden am unteren Bereich der Gitteraufsätze an jeweils 3 oder 4 Punkten durch die unteren Voluten in die Kämpferstange gesteckt. Wie historisch vorgesehen und im Bestand vorgefunden, wurden die Zierkopfkeile mittels neu geschmiedeter Nieten in glühendem Zustand wieder mit der Stange vernietet.
Die Zierkopfkeile dienen der Verbindung zwischen den Aufsätzen und der Kämpferstange des Tores.


































































